Geschichte der neuen Synagoge

[Die neue Synagogue] Die neue Synagoge
1868als Baptisten-Kapelle erbaut
1906Logenhaus des Guttemplerordens
1916Nutzung durch das "Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital" (PFL)
1994/95Umbau zur Synagoge
5.3.95feierliche Einweihung


Geschichte der Oldenburger Gemeinde

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts bestand in Oldenburg eine Synagogengemeinde, die die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts hatte.

Am 28.3.1938 wurde auf Veranlassung der NS Reichsregierung allen jüdischen Gemeinden in Deutschland diese Stellung entzogen, auch der Synagogengemeinde in Oldenburg. Allerdings bestand die Möglichkeit, in das Vereinsregister eingetragen zu werden. Das geschah in Oldenburg durch die noch übrig gebliebenen Mitglieder. Es wurde die jüdische Kultusvereinigung - Synagogengemeinde Oldenburg eingetragen. Der Vorsitzende war Adolf de Beer, der Vater der heute noch in der Gemeinde lebenden Charlotte Seligmann, geb. de Beer.

[Bild der Synagoge nach der Zerstörung im November 1938] Die Oldenburger Synagoge nach der Zerstörung im November 1938

Im November 1938 wurde auch in Oldenburg die Synagoge zerstört, und als 1940 die letzten Juden Oldenburg verlassen mussten, wurde diese Gemeinde im Vereinsregister gelöscht. Der Friedhof blieb erhalten, und das Grundstück der ehemaligen Synagoge wurde der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft als Eigentum übertragen.

Gleich nach 1945, als die überlebenden und heimkehrenden Juden sich wieder in Oldenburg ansiedelten, wurde eine Jüdische Gemeinde wieder gegründet. Sie hieß zunächst Jüdische Gemeinde für Stadt und Land Oldenburg, später Jüdische Kultusvereinigung Oldenburg e.V.. Wieder war der Vorsitzende der zurückgekehrte Adolf de Beer. Im Oktober 1946 wurde in der Cäcilienstr. 9 ein kleiner Gebetsraum eingeweiht. Von dem Erlös des zurückgegebenen Synagogengrundstückes und der Wiedergutmachung wurde das Haus Lambertistr. 48 erworben, das nun als Gemeindezentrum diente.

Ende 1960 musste die Gemeinde dann wegen Überalterung und nicht mehr vorhandenen Gemeindemitgliedern aufgelöst werden. Die Gemeinde wurde erneut aus dem Vereinsregister gestrichen: "wegen Wegfall sämtlicher Mitglieder erloschen"./

Eine lange Zeit musste vergehen, bis sich jüdisches Leben in Oldenburg wieder als Gemeinschaftserlebnis bemerkbar machte. Die wenigen, die zurückgekommen waren oder in und um Oldenburg herum überlebt hatten, waren bis dahin isoliert und mussten zu G'ttesdiensten nach Hannover in die Synagoge fahren.
1989 war es dann endlich soweit. Man horchte herum, befragte Freunde und Bekannte nach jüdischen Mitmenschen und vereinbarte Treffen. Man begann die jüdischen Feste zu feiern, sich am Schabbat zu treffen und schließlich wurde die Jüdische Gruppe gegründet. Die Jüdische Gruppe e.V. setzte sich zusammen aus jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern. Mehr und mehr entstand bei den jüdischen Mitgliedern der Wunsch, wieder ein Gemeindeleben aufzubauen. Hierzu gehört, dass Tradition und Religionsunterricht, Sozialpflege, Bestattungswesen und G'ttesdienste wieder wie in den übrigen jüdischen Gemeinden stattfinden können.

Am 6. August 1992 konnten 17 Gründungsmitglieder der insgesamt 32 zählenden Mitglieder die Satzung unterschreiben, und nun konnte endlich die "Jüdische Gemeinde zu Oldenburg e.V." wieder in das Vereinsregister eingetragen werden. Die Gemeinde war damit wieder Mitglied im Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen; neben Hannover, Osnabrück und Braunschweig gab es nun auch wieder eine Jüdische Gemeinde in Oldenburg.

Eine harte Zeit des Aufbaues gab es für die kleine Gemeinde zu bewältigen, und natürlich war der Wunsch nach einer Synagoge verständlich. Gespräche und Verhandlungen mit der Stadt Oldenburg führten zum Ergebnis. Der Rat der Stadt Oldenburg beschloss, die ehemalige Baptistenkapelle in der Wilhelmstraße 17, die zum denkmalgeschützten Gebäudekomplex des Peter-Friedrich-Ludwig-Hospitals gehört, der Jüdischen Gemeinde als Synagoge zur Verfügung zu stellen. Die Mittel für die Umbauarbeiten kamen aus vielen Quellen; so waren zum Beispiel die Stadt Oldenburg, das Land Niedersachsen, der Landesverband Jüdischer Gemeinden zu Niedersachsen, und viele weitere juristische sowie auch private Personen daran beteiligt.

Seit dem 5. März 1995 ist das Gebäude nun in der Hand der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, welche mittlerweile über 200 Mitglieder zählt. Neben g'ttesdienstlichen Veranstaltungen findet es auch weitläufige kulturelle Nutzung - natürlich zu jüdischen Themen. Eine Ausstellung zu modernem jüdischen Kultgut machte den Anfang, und viel weiteres wird folgen.

Stand: April 2001