Tiere

In Gn 1:29f lesen wir:

"Siehe, ich habe euch alles samentragende Kraut gegeben, das auf der ganzen Fläche der Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist: es soll euch zur Nahrung sein. Und allen Lebewesen der Erde, und allen Vögeln der Himmel, und allem, was sich auf der Erde bewegt, in dem eine lebende Seele ist alles grüne Kraut zur Nahrung."

Daraus lässt sich zweifelsfrei schließen, daß unmittelbar nach der Schöpfung Pflanzen und Vegetarier die einzigen Lebensformen auf dieser Erde bildeten: der Schöpfer hatte keine "Fleischfresser" vorgesehen, kein Lebewesen sollte ein anderes verzehren. Dies galt für zehn Generationen: von Adam und Eva bis hin zu Noach. Erst als Noach und seine Söhne die Arche nach der Sintflut verließen, lesen wir zum ersten Mal davon, daß auch Tiere den "Lebensmitteln" zugeordnet wurden:

"Furcht und Schrecken soll auf allen Lebewesen der Erde sein und auf allen Vögeln der Himmel, auf allem, was sich [auf] der Erde regt und auf allen Fischen des Meeres: in eure Hand habe ich sie gegeben. Alles, was sich regt und eine lebende Seele hat soll euch zur Nahrung sein, wie das grüne Kraut habe ich euch alles gegeben."

(Gn 9:2f) - beim Betreten der Arche galt dies noch nicht. Nun war die einzige Einschränkung: "Jedoch Fleisch mit seiner Seele, seinem Blut, sollt ihr nicht essen." (Gn 9:4) - das bedeutet sowohl, dass kein Fleisch eines noch lebenden Tieres gegessen werden darf, als auch das Verbot des Verzehrs von Blut selbst. Diese beiden Dinge galten also von Anfang an - und sind nach biblischem Gesetz für alle Menschen verbindlich! (näheres zu den "Noachidischen Gesetzen" - also den Gesetzen, die für alle Nachkommen Noachs, also für die gesamte Menschheit gelten, findet sich in den Texten über die Bnai Noach an anderer Stelle auf diesem Server)

Den "Bnai Israel", den Kinder Israel, wurden jedoch am Sinai noch weitere Gebote diesbezüglich übergeben. Mit dem Bundesschluss wurde uns nicht nur die Ehre zuteil, G-ttes auserwähltes Volk zu sein. Damit verbunden war und ist auch eine ganze Reihe weiterer Verpflichtungen. Dem Thema entsprechend sollen hier nur diejenigen Pflichten angesprochen werden, die sich auf die Nahrung und Ernährung beziehen - und auf dieser Seite in erster Linie die Tiere betreffen (die anderen Details finden sich auf den anderen Seiten).

Welches Fleisch darf verwendet werden?

Hier nun gibt es verschiedene Kriterien, nach denen es zu unterscheiden gilt. Wir ordnen zunächst nach dem Tier:

Um keine dieser Regeln zu verletzen, hat die Untersuchung sehr genau zu sein. Betrachtet man sich die soeben genannten Kriterien ein wenig genauer, und denkt darüber nach - so wird die weit verbreitete Meinung, das rituelle Schächten sei Tierquälerei, bereits an dieser Stelle relativiert (und wenn wir später auf das Schächten selbst eingehen, wird diese Meinung vollends fragwürdig). Widmen wir uns nur einmal dem dritten Punkt, so werden all die Tiere, die nach herkömmlichen Methoden zu den Schlachthöfen transportiert werden, zum Verzehr ungeeignet: durch das Zusammenpferchen in den Transportmitteln kommt es zu Quetschungen und teilweise auch Knochenbrüchen - also zu körperlichen Mängeln, die ein Tier treif machen. Tiere sind, wie wir Menschen, G-ttes Geschöpfe. Und auch wenn sie uns zur Nahrung gegeben sind, müssen wir sie mit Respekt behandeln.
Eine weitere Unterscheidung findet statt nach den verwendbaren Teilen. Verboten sind hier:

Reine und unreine Tiere

Um hier eine Zuordnung treffen zu können, haben unsere Weisen die Tiere zunächst gemäß ihren Lebensräumen geordnet: auf dem Land lebende (also Pferde, Kühe etc.), im Meer lebende (Fische, Krebse...) und Tiere mit Flügeln (also Vögel). Für die "Landtiere" nun läßt sich die Regel in einem Satz zusammenfassen: "Alle Tiere, die gespaltene Klauen haben, Paarzeher sind und wiederkäuen, dürft ihr essen." (Lev 11:3). Für die Informatiker sei angemerkt: es ist eine "Und-Verknüpfung". Für alle anderen: ist eine Bedingung nicht erfüllt (also eines der drei genannten Merkmale nicht vorhanden) - so ist das Tier damit (rituell) unrein und nicht zur Nahrung geeignet. Ein paar Beispiele zur Veranschaulichung:

Wenden wir uns dem Wassergetier zu: hier wird die Bedingung noch einfacher. Die komplizierte Variante hieße: Alles, was Flossen und Schuppen hat, ist rein. Nun haben unsere Weisen aber bereits sehr früh festgestellt: nicht alles, was Flossen hat, hat auch Schuppen - wohl aber hat alles, was Schuppen hat, auch Flossen. Ergo können wir den "ach so komplizierten" Satz gar vereinfachen: "Alles, was Schuppen hat, ist koscher" (natürlich vorausgesetzt, es ist ein Wasserbewohner). Damit fallen zwar Krebse und Muscheln aus der Rubrik "Tellerverzierung" heraus: aber es verbleibt noch immer jede Menge Fisch, den wir braten, backen oder kochen können. Bevor wir uns jedoch den fliegenden Fischen zuwenden, widmen wir uns lieber abschließend den Vögeln:

Anders als bei den ersten beiden Gruppen, wo uns lediglich Kriterien genannt sind, nach denen wir selbst entscheiden können, gibt uns die Torah in Bezug auf Vögel eine konkrete Liste: Lev 11:13-19 und Dt 14:12-18 zählt alle die Vögel auf, welche wir nicht dem Verzehr zuführen dürfen: Adler, Habicht, Fischaar, Weihe, Rabe, Strauß, Nachteule, Eule, Falke, Reiher, Wiedehopf, Sperber, Möwe, Storch, Schleiereule, Pelikan, Trappgans, Kormoran und Fledermaus. Aus dieser Liste hat der Talmud auf die Charakteristika der Tiere geschlossen: es sind (wiedereinmal) zum großen Teil Raubtiere - oder Tiere, die ihre Nahrung wie Raubtiere zu sich nehmen. Davon ausgehend sind weitere Vögel in die Rubrik "nicht koscher" eingeteilt worden, z.B. Strauße und Pelikane.

Desweiteren sind jedwede Art von Gewürm vom Verzehr ausgeschlossen - das gilt sowohl für Maden, Würmer und dergleichen ("Landbewohner") - als auch für Schnecken, Muscheln und dergleichen ("Gewürm des Meeres") sowie die meisten Insekten ("Luft-Gewürm"). Aus diesem Grund muß insbesondere Salat genauestens auf solcherlei "Parasiten" untersucht werden, bevor man ihn für die Mahlzeit vorbereitet.

Was nun für die Tiere selbst gilt, gilt auch für ihre Produkte: ist ein Tier rein, sind es auch die aus ihm gewonnenen Produkte. Ist es unrein, sind die Erzeugnisse es auch. Beispiel: Die Milch einer Kuh ist rein - die eines Esels unrein. Das Ei eines Huhnes ist rein - das einer Möwe nicht. Kaviar eines unreinen Fisches darf nicht gegessen werden (das gilt für den meisten im Handel erhältlichen Kaviar). Für die letzten beiden Dinge gibt es einfache Merkmale für die Unterscheidung: die Eier reiner Vögel sind an einem Ende rund, am anderen spitz (die Eier unreiner Vögel hingegen entweder an beiden Seiten rund oder an beiden Seiten spitz); das Kaviar reiner Fische ist gelblich-rot (das unreiner Fische schwarz).
Auf den ersten Blick eine Ausnahme darzustellen scheint der Honig: obwohl die Biene unrein ist, ist der Honig dennoch rein; aber er kommt ja auch nicht aus der Biene, sondern hat seinen Ursprung in den Blütensäften, im Nektar der Blüten.