Yadin,
Yigael:
Die Tempelrolle
Die verborgene Thora vom Toten Meer
Albrecht Knaus Verlag, München
und Hamburg, 1985
285 Seiten, gebunden
ISBN 3-8135-0600-2
antiquarisch
Originalausgabe: "The Temple Scroll", Weidenfeld
& Nicolson, London, 1985
Übersetzung: Eva Eggebrecht
Persönliche Bewertung und Kritik:
Für Einsteiger - Empfehlung:
sehr gut
Ein Buch, das man - einmal angefangen zu lesen - nur noch ungern aus der Hand legt. Yadin beschreibt in seiner angenehm flüssigen und sehr spannenden Art und Weise alle Aspekte rund um diese höchst interessante Rolle. Für viele Wissenschaftler - und auch für mich - ist die Tempelrolle sogar die interessanteste aller Qumran-Rollen. Es ist schade, dass es so wenig deutschsprachliche Literatur über sie gibt. Wenn auch im nachfolgend zitierten Umschlagtext von einem Dokument "christlicher Geschichte" die Rede ist, so wird doch angesichts des Inhalts klar, dass es sich vor allem um ein zutiefst jüdisches Werk handelt.
Umschlagklappentext:
Dieser Bericht über den Erwerb
und die Entzifferung der zweitausend Jahre alten "Tempelrolle", der bedeutendsten
unter den am Toten Meer gefundenen Schriftrollen, beschreibt die spannende
Geschichte einer der wichtigsten archäologischen Entdeckungen seit
dem Zweiten Weltkrieg.
Ende der 50er Jahre beitet ein
geheimnisvoller Unbekannter Yigael Yadin, dem bedeutenden jüdischen
Archäologen, Politiker und ehemaligen Chef des israelischen Generalstabs,
alte hebräische Schriftrollen an. Über zweitausend Jahre lang
waren sie in einer Höhle am Toten Meer verborgen. Unter ihnen befindet
sich auch die "Tempelrolle", eine verborgene Thora. Sie ist, wie Yadin
bald erkennt, nicht nur das längste, sondern zugleich das wichtigste
unter diesen Dokumenten christlicher Geschichte. Sie enthält Gebote
Gottes an Moses, die im kanonischen Standardtext der Bibel nicht enthalten
sind, sowie den kompletten Entwurf eines idealen Tempels von Jerusalem
mit detaillierten Regeln für die Priesterschaft und allgemeine Hygiene-
und Reinheitsgebote. Manche der als "ergänzende" Gesetze vom "Lehrer
der Gerechtigkeit", dem Gründer der Essener-Sekte, aufgezeichneten
Verhaltensmaßregeln beeinflußten das christliche Gedankengut
in seinen Anfängen. Dies wirkte auf die jüdisch-christliche Weltöffentlichkeit
wie ein Schock. Denn die Aufzeichnungen der Essener (einer jüdischen
Sekte, die sich in Opposition zu den damals in Jerusalem herrschenden religiösen
Kreisen befand) stellten bisher allgemein anerkannte Erkenntnisse und Ansichten
der westlichen Theologen und Geschichtsforscher über die Entstehung
des Christentums radikal in Frage.
Der Morning Telegraph schreibt
über dieses letzte große Werk des Autors: "Auf Gelehrtenkonferenzen
wie auch in israelischen Dörfern war der Rezensent Zeuge der meisterhaften
Art dieses Mannes, alle komplizierten archäologischen Zusammenhänge
dem Laien leicht verständlich zu vermitteln. Von dieser Fähigkeit
legt dieses Buch ein weiteres und umfassendes Zeugnis ab."
Über den Autor:
Yigael Yadin gehört zu den
vielseitigsten und beeindruckendsten Persönlichkeiten israelischer
Gegenwartsgeschichte. Der 1917 in Jerusalem Geborene entstammte einer Gelehrten-Familien,
die vor dem Ersten Weltkrieg von Osteuropa nach Palästina gekommen
war. Während der Zeit des britischen Mandats über Palästina
arbeitete der Archäologiestudent Yadin auch für die jüdische
Widerstandsbewegung "Haganah" und wurde schon bald Leiter ihrer Planungsabteilung.
Im Befreiungskrieg 1948-49 wurde er Operationschef der israelischen Streitkräfte
und später Generalstabschef. 1952 zog sich Yadin aus dem Militärdienst
zurueck, um sich ganz seinen archäologischen Studien zu widmen. Als
Inhaber des Lehrstuhls für Archäologie an der Hebräischen
Universität in Jerusalem wurde er einer der international bekanntesten
Fachgelehrten im Bereich der biblischen Archäologie und der Schriftrollenforschung.
Und seine spektakulären Ausgrabungen in Hazor, Masada und in den Höhlen
des Bar Kochba, über die er faszinierende Berichte verfasste, machten
ihn auch als Autor weltberühmt. Doch Yigael Yadin blieb als Führer
der "Demokratischen Bewegung für den Wandel" und als Knesset-Abgeordneter
bis 1981 auch politisch aktiv. Er starb 1984, nach Vollendung seines Manuskripts
"Die Tempelrolle".
Inhalt:
Vorwort von Moshe Pearlman
I. Die Erwerbung
1. Das Millionengeschäft
2. Aussichtslos
3. Der Schatz
II. Die Anatomie der Schriftrolle
4. Der äußere Befund
5. Charakteristika des Textes
6. "Thora-Ergänzung"
III. Neue Erstlings-Feste
7. Ein besonderer Kalender
8. Der Streit um Pfingsten
9. Der geheimnisvolle "Alexandriner"
10. Das Fest der Feste
IV. Der Tempel
11. Jetzt oder in ferner Zukunft?
12. Der innere Hof
13. Die "Häuser"
14. Das Schlachthaus und der Altar
15. Der mittlere und der äußere
Hof
16. Die Quellen
V. Von der Reinheit
17. Die Tempelstadt
18. Die "Hand", der Leichnam, das
Opfer
VI. Die Statuten des Königtums
19. Die königliche Garde, der
Rat und die königliche Gemahlin
20. "Lebendig am Holz hängen"
VII. Datierung und Stellenwert der Schriftrolle
21. Zeit und Ort
22. Die Qumran-Sekte und die Essener
23. Die Tempelrolle und das Neue
Testament
Bibliographie
Register