Betz, Otto & Riesner, Rainer:

Verschwörung um Qumran?

Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan

Verlagsunion Pabel Moewig KG, Rastatt, 1999

250 Seiten, Hardcover
ISBN 3-8118-1493-1
 
Das Buch ist eine unveränderte Neuausgabe von
"Jesus, Qumran und der Vatikan"

 

 

Neuauflage 2007:

Betz, Otto & Riesner, Rainer:

"Verschwörung um Qumran?"

Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan

Knaur, München, 2007

329 Seiten, Taschenbuch

ISBN 978-3-426-77993-4
8,95 €

 

 

Diesmal ist die Neuauflage aktualisiert und erweitert!

Eine Rezension von Qumran-Autor Alexander Schick:

Die Schriftrollen von Qumran
60 Jahre Wissenschaftskrimi am Toten Meer

Es wird immer im Dunkeln bleiben, warum im Frühling 1947 der Beduine Muhammed edh-Dhib auf dem Steilhang an der Westküste des Toten Meeres herabkletterte. Suchte er wirklich seine Ziege, die ihm angeblich weggelaufen sei und die er durch Steinwürfe aufschrecken wollte? Oder hielt er Ausschau nach einem passenden Versteck für seine Schmuggelware, die die Beduinen in jenen Tagen von Jordanien nach Palästina brachten? Der Grund seiner Steinwürfe ist eigentlich unwesentlich - wichtig ist, dass er damit einen Stein ins Rollen gebracht hat, der bis heute weltweit Forscher und die breite Öffentlichkeit in Atem hält. Fast jeder hat schon von den Schriftrollen vom Toten Meer gehört, doch nur die wenigsten wissen, um was für einen archäologischen Schatz es sich wirklich handelt. In den letzten Jahren haben eine Vielzahl von Büchern und Medienberichten erneut grosse Verwirrung um die Bedeutung der Qumranfunde gestiftet. So wird durch christentumskritische Skandalbestseller wie „Sakrileg“ (Da Vinci Code) oder „Verschlusssache Jesus“ den unkundigen Lesern vorgegaukelt, dass der Vatikan die Herausgabe der Schriftrollen vom Toten Meer zu verhindern suche, da die Qumrantexte angeblich unliebsames Material über Jesus enthalten sollen. Auch wenn sich Bücher mit solch reißerischen Thesen millionenfach verkaufen, bleiben solche unwahren Behauptungen lediglich eine millionenfach geglaubte Lüge. Es ist daher mehr als begrüssenswert, dass nun der Qumran- und Jesusforscher Professor Rainer Riesner (Universität Dortmund) seine Forschungsergebnisse in allgemeinverständlicher Weise unter dem populären Titel „Verschwörung um Qumran – Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan“ (Knaur 2007) veröffentlicht hat. Das durchgehend - mit z.T. neuesten Fotos aus der Qumranforschung - illustrierte Buch ist ein wahres Lesevergnügen und eine schier unerschöpfliche Fundgrube für jeden, der Fakten in Sachen Qumran- und Jesusforschung sucht. Bereits 1993 hatte Riesner den weltweit beachteten Bestseller „Jesus, Qumran und der Vatikan“ veröffentlicht. Die Gesamtveröffentlichung aller Texte aus den Höhlen und neue Ausgrabungen in Qumran haben der Schriftrollenforschung nicht nur neue Impulse gegeben, sondern auch eine Vielzahl an neuen Erkenntnissen. In akribischer Detailgenauigkeit hat nun Prof. Riesner seinen Klassiker, den er zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Doktorvater und Qumranpionier Professor Otto Betz verfasst hatte, völlig überarbeitet und aktualisiert. Er präsentiert so eine Fülle an z.T. bisher wenig bekannten Fakten, für die der Leser sonst einen ganzen Berg an Fachliteratur durcharbeiten müsste.

Qumran – ein Jahrtausendfund!

In den Jahren 1947-1956 wurden in elf Höhlen über 900 Schriftrollen entdeckt, die überwiegend aus der Zeit des 3.-1. Jahrhunderts v.Chr. stammen. Unter den Texten befanden sich Abschriften fast aller biblischer Bücher des Alten Testaments (AT). Diese Texte sind über 1000 Jahre älter als die bis dahin bekannten kompletten hebräischen Handschriften des AT. Die Bibelabschriften belegen, wie hervorragend der hebräische Text des AT überliefert ist. In Detailfragen helfen die Qumranrollen den originalen Urtext zu rekonstruieren. In viele moderne Bibelübersetzungen sind die Ergebnisse der Textforschung an den biblischen Qumrantexten schon eingeflossen.

Prof. Riesner zeigt auf, warum die Mehrheit der Qumranforscher die jüdische Religionsgruppe der Essener für die Besitzer der antiken Bibliothek hält. Intensiv widmet sich das Buch der viel diskutierten Frage „Wer lebte in Qumran?“. Besonders durch das ZDF wurde in einer Terra-X-Sendung die These popularisiert, dass Qumran nur eine landwirtschaftliche Siedlung gewesen sei und die Schriftrollen aus den Bibliotheken von Jerusalem stammen würden. Die Texte und die Siedlung hätten demnach nichts mit den Essenern zu tun. Riesner zeigt dagegen mit archäologischen und historischen Argumenten auf, warum diese These trotz ZDF-Verfilmung nur eine Minderheitenmeinung in der wissenschaftlichen Debatte darstellt. So gibt es in Qumran z.B. keinerlei Spuren von Bewässerungsanlagen, die man für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung aber voraussetzen müsste. Hingegen hat man viele rituelle Bäder in Qumran ausgegraben, die eher auf eine Nutzung der Siedlung durch eine besonders fromme jüdische Gemeinschaft schliessen lassen. Für Prof. Riesner gilt daher als Fazit: „Und Qumran ist doch eine Essener-Siedlung!“ (S. 115).

Neues Licht auf das Neue Testament

Neben Abschriften der biblischen Bücher entdeckte man Hunderte von unbekannten Texten, die uns ein Fenster in die Antike öffnen. Den religionsgeschichtlichen Aspekten widmet sich daher Prof. Riesner ganz besonders, nachdem er die Probleme bei der Veröffentlichung der oft nur briefmarkengrossen Schnipsel erklärt hat. Die Behauptung einer Vatikanverschwörung verweist er überzeugend in den Bereich der literarischen Schundmärchen. Es hat nie eine „Verschwörung um Qumran“ gegeben! Die theologische Bedeutung der Qumrantexte für das Verständnis des Neuen Testaments ist enorm. Ein Beispiel: Man hat meist angenommen, der Messias sei im Frühjudentum nicht als „Sohn Gottes“ bezeichnet worden, während das im Neuen Testament oft geschieht. Das sei heidnisch-griechischer Einfluss. Hier fordert die Entdeckung des Qumrantextes 4Q246 zu einem Umdenken, denn der wichtigste Textabschnitt lautet: „Sohn Gottes wird er genannt werden, und Sohn des Höchsten wird man ihn heißen.“ Diese Formulierung erinnert an die Worte des Engels an Maria: „Der wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden …und er wird Sohn Gottes geheissen werden “ (Lukas 1,32-35). „Das Qumran-Fragment 4Q246 zeigt, wie an einer wichtigen Stelle der lukanischen Geburtsgeschichte die Sprache nicht etwa heidnisch-griechisch, sondern palästinisch-jüdisch ist“ (S. 194). Fazit: Das Buch ist ein Gewinn für jeden, der das antike Judentum und die Umwelt des Jesus von Nazareth genauer verstehen möchte. Diesem mitreissenden Buch wünscht man eine grosse Verbreitung.

Alexander Schick
veröffentlicht in „Lesen, hören & sehen“ (6/2007 - Beilage zu IDEA-Spektrum Nr. 41), S. 6-7.

 

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