Von mir verwendete Literatur.

Zu den Noachidischen Geboten

Die Noachidischen Gebote wurden ursprünglich von Noah gegeben (Genesis 9,4), wurden dann jüdischerseits nach der Zeit des Neuen Testaments zu sieben Geboten weiterentwickelt. Sie scheinen traditionsgeschichtlich ähnliche Vorläufer wie das sogenannte Aposteldekret (Neues Testament: Apostelgeschichte 15,28f.) zu haben.
Die Noachidischen Gebote sind eine jüdische (keine christliche) Einrichtung und dienen dazu, Nichtjuden einen ethischen Minimalstandard anzubieten, also eine Kurzform der jüdischen Tora. Sie lauten auf die

  1. Verpflichtung zur Rechtspflege (Einrichtung eines Rechtssystems),
  2. Verbot von Götzendienst,
  3. Verbot von Gotteslästerung,
  4. Verbot von Unzucht (Inzest, Ehebruch),
  5. Verbot von Blutvergießen (Mord),
  6. Verbot von Raub und
  7. Verbot eines Gliedes vom Lebenden [Tier]. Beim Schlachten muß das Tier vollständig Tod sein, bevor ein Glied abgetrennt werden darf. Wird ein Glied, ein Bein zum Beispiel, abgeschnitten, wenn das Tier noch lebt, so darf das Bein nie mehr gegessen werden, auch dann nicht, wenn das Tier später tot ist. Das Bein ist also verloren und bedeutet einen materiellen Verlust. Es soll so Grausamkeit beim Schlachten verhindert werden.
    Blut ist anders als für Juden und anders als in Apostelgeschichte 15,28 nach den Noachidischen Geboten nicht verboten. Andersherum schliesst das strengere Blutverbot in der Apostelgeschichte auch das Verbot eines Gliedes vom Lebenden [Tier] ein, da z.B. das Bein ja noch Blut enthält.

Ich habe meine Examensarbeit (Erstes Theologisches Examen) zu den Noachidischen Geboten im Neuen Testament bei Prof. Tim Schramm in Hamburg im Fach Neues Testament im Frühjahr 1999 geschrieben. Die Arbeit wurde mit 13 Punkten (1-) bewertet. Sie hat einen (vom Prüfungsamt vorgegebenen) Umfang von 40 Seiten (Netto); sie hat damit nicht den Umfang einer Diplom- oder Magisterarbeit, obwohl sie für das Examen zählt.

Der genaue Titel lautete:

Die sogenannten noachidischen Gebote im Neuen Testament.
Zur Rezeption der 'Tora für die Völker' im frühen Christentum.

Ich kam auf die Idee zu der Arbeit, da F.-W. Marquardt die Noachidischen Gebote breit bespricht. In der Arbeit habe ich mich hauptsächlich auf Klaus Müller gestützt (mehr zur verwendeten Literatur).
Ich gehe in der Arbeit so vor, daß ich zunächst die Entwicklung im jüdischen Bereich nachvollziehe (Kapitel 2). Dabei komme ich zu dem Ergebnis, daß die Noachidischen Gebote in ihrer heutigen Form mit sieben Geboten jünger sind als das Neue Testament, das NT sie also nicht rezipiert haben kann. Ich "entdecke" aber auch einen jüdischen Vorläufer der Noachidischen Gebote, die drei Kardinalsünden; diese sind älter als das NT. Entsprechend prüfe ich dann, ob und wie die drei jüdischen Kardinalsünden im NT rezipiert wurden (Kapitel 3.2), dann, inwieweit die (späteren!) Noachidischen Gebote mit dem NT übereinstimmen (3.3).
In der zweiten Hälfte der Arbeit (Kapitel 4) führe ich zwei Exegesen vor, in denen ich im Detail die Verwandtschaft zweier neutestamentlicher Texte zu den Noachidischen Geboten und den Kardinalsünden zeige. Die beiden Texte sind Apostelgeschichte 15 (bes. Verse 28f.) in Kapitel 4.2 als Beispiel einer Stelle mit Verwandtschaft zu den noachidischen Geboten und der Lasterkatalog in Galater 5,19 als Beispiel einer Rezeption der drei jüdischen Kardinalsünden in 4.3.

Die verwendete Literatur zum Thema kann hier eingesehen werden.

Wer mehr wissen will, schreibe mir bitte.



Zum Schluß ein Blick ins Inhaltsverzeichnis :

(Abkürzungen: NG=Noachidische Gebote; KS=[die drei jüdischen] Kardinalsünden; sog.=sogenannt; AD=Aposteldekret Apostelgeschichte 15,28; Act=Apostelgeschichte; AT=Altes/Erstes Testament; Ntl.=neutestamentlich; Gal=Galaterbrief)

1. EINLEITUNG 4

2. DIE SOG. NG IN IHREM JÜDISCHEN KONTEXT 5
2.1. EINLEITUNG 5
2.2. DIE ENTWICKLUNG DER SOG. NG 6
2.2.1. Vorläufer der sog. NG in der Genesis und im übrigen AT 6
2.2.2. Die sog. NG in den Sibyllinischen Orakeln 8
2.2.3. Die drei sog. KS als Vorläufer der sog. NG 8
2.2.4. Die fünf Grundgebote 9
2.2.5. Die rabbinischen Quellen: Tosefta Avoda Zara 8,4 10
2.3. ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG DER SOG. NG IN IHRER ENTWICKLUNG 12

3. ANKLÄNGE DER SOG. NG IM NT 13
3.1. EINLEITUNG: ZUR ETHIK IM NT GENERELL 13
3.2. REZEPTION DER DREI JÜDISCHEN KS IM NT 14
3.2.1. Einleitung 14
3.2.2. Die KS in der Apostelgeschichte 15
3.2.3. Die KS bei Paulus 15
3.2.4. Die KS in den Pastoralbriefen 16
3.2.5. Die KS in der Apokalypse 17
3.2.6. Ergebnisse zur Rezeption der KS im NT 18
3.3. DIE RELEVANZ DER SPÄTEREN SOG. NG FÜR DAS NT 18
3.3.1. Zur Methodik bei der Nennung der Textstellen 18
3.3.2. Ntl. Textstellen zum Gebot der Rechtspflege 18
3.3.3. Ntl. Textstellen zum Verbot des Götzendienstes 20
3.3.4. Ntl. Textstellen zum Verbot der Gotteslästerung 20
3.3.5. Ntl. Textstellen zum Verbot der Unzucht 20
3.3.6. Ntl. Textstellen zum Verbot des Blutvergießens 21
3.3.7. Ntl. Textstellen zum Verbot des Raubes 21
3.3.8. Ntl. Textstellen zum Verbot, ein Glied von einem lebenden Tier zu essen 21
3.3.9. Ergebnisse des Vergleichs der späteren sog. NG mit dem NT 22
3.4. ERTRAG DES ÜBERBLICKS ÜBER DAS NT 22

4. ZWEI EXEMPLARISCHE EXEGESEN 23
4.1. ZUR BEGRÜNDUNG DER AUSWAHL DER EXEMPLARISCHEN STELLEN AD ACT 15.21 UND LASTERKATALOG GAL 5,19-21 23
4.2. DAS AD ALS BEISPIEL EINER JUDENCHRISTLICHEN AUFLAGE FÜR DIE VÖLKER 24
4.2.1. Das sog. AD im Kontext der Act 24
4.2.2. Der Text in seinen drei Versionen Act 15,19-21.28-29; 21,25 26
4.2.3. Der Text und seine Variante im westlichen Text D 26
4.2.4. Der Text im Vergleich zum Bericht des Paulus in Gal 2,1-10 27
4.2.5. Einzelexegese des AD 28
4.2.6. Vergleich des AD mit den sog. NG der rabbinischen Tradition 32
4.2.7. Ergebnisse zur Untersuchung des AD 34
4.3. DER LASTERKATALOG IN GAL 5,19-21 ALS BEISPIEL DER JÜDISCHEN DREI KS IM NT 34
4.3.1. Einleitungsfragen des Gal 34
4.3.2. Der Kontext von Gal 5,19-21 35
4.3.3. Einzelexegese von Gal 5,19-21 37
4.3.4. Zusammenfassung der Exegese von Gal 5,19-21 40

5. ERGEBNISSE UND AUSBLICK 42

6. ABKÜRZUNGEN UND LITERATUR 44
6.1. ABKÜRZUNGEN 44
6.2. LITERATUR 44
6.2.1. Quellen 44
6.2.2. Hilfsmittel 45
6.2.3. Sekundärliteratur 46



02.02.2002 E-Mail