Torah auch für Nicht-Juden!

Unsere Tradition, die auf G-ttes Worte an Adam, Noah und deren Nachkommen fußt, ordnet die Lebensregeln jedes Menschen unter die Rubrik der "Sieben Gesetze Noahs" (laut manchen Gelehrten in 30 Kategorien unterteilt).

Infolge der Judenverfolgungen seitens Christen und Muslimen konnten die Noachidischen Gesetze während der letzten 1900 Jahre nicht gelehrt werden. Seit kurzem ist jedoch ein neues Interesse an ihnen erwacht und Noachiden-Gruppen und -Literatur kommen in der westlichen Welt mehr und mehr auf. So lehren heute einige Rabbiner Torah und Noah-Gesetze auch bei Nicht-Juden, während etliche Erzieher (z.B. A. Eder) Nicht-Juden anhalten, ihren gegenwärtigen Glauben zu reinigen und von heidnischen Elementen zu befreien. Dies, um andernfalls aufkommenden Nihilismus und Anarchie zu vermeiden, bis die Noah-Gesetze klar und fundiert sind. Obwohl der Rabbiner Maimonides Juden anhielt, den Nicht-Juden die Gesetze Noahs zu lehren, erkannte er an, daß deren (Tochter)Religionen dazu beigetragen haben, die Heiden dem Monotheismus und seiner Moral soweit nahezubringen, daß sie schließlich eher bereit sein werden, von Israel zu lernen anstatt Juden zu massakrieren (in Kreuzzügen, Inquisitionen, Pogromen, KZ) oder moralisch zu ruinieren (wie z.B. durch Propagierung der modernen "Freiheiten" - vgl. dazu Num 31,16). Andere Juden wiederum fühlen, daß sie sich vorab besser auf den Aufbau Israels als eines Modell-Staates konzentrieren sollten, als an Nicht-Juden heranzutreten; denn letztere würden uns dann ohnehin folgen.

Albo beschreibt in seinem "Sepher Ha'Ikkarim" die drei Voraussetzungen, durch die sich eine Religion von einer rein ethischen Verhaltensweise unterscheiden läßt: die Existenz G-ttes, die Offenbarung seines Willens, und die Belohnung bzw. Bestrafung der Menschen gemäß ihrer Lebensführung. Menschlicher Verstand und Gewissen für sich allein vermögen letzterer nur eine sehr vage und allgemeine Leitlinie zu geben, die erfahrungsgemäß mehr zum Konflikt als zur Übereinstimmung mit G-ttes Willen führt (wie z.B. Platos Vorschlag, Frauen als Gemeinschaftsgut zu betrachten oder die Idealisierung von Homosexualität im antiken Griechenland). Da Religion jedoch eine menschliche Lebensform darstellt, wird der Inhalt der Offenbarungen von den verschiedenen Faktoren beeinflußt, die menschliche Reaktionen auslösen. Da für die Noachiden keine bestimmten Riten und Rituale vorgeschrieben sind, haben sie weiten Spielraum, in welcher Weise sie ihr religiöses Empfinden zum Ausdruck bringen wollen, sofern Sie dadurch nicht die durch Moses niedergelegte Autorität der Sieben Noachidischen Gesetze in Frage stellen.

Albo meinte auch, daß diejenigen Rabbiner, die in der Tradition verankert sind und Ihre Ordination durch die bis auf den Sinai zurückgehende ununterbrochene Kette ihrer Vorgänger erhielten, die Vollmacht haben, je nach besonderen zeitlichen oder örtlichen Umständen Alternativ- Auslegungen der Torah zur Geltung zu bringen (dies gilt allerdings nichts für diejenigen modernen "Rabbiner", denen diese Voraussetzungen fehlen, 3,14). Albo sah auch neue göttliche Offenbarungen für Israel voraus. Solche sind zwar noch nicht erfolgt, jedoch können wir solche erwarten, sobald die Mehrzahl der Juden wieder im Land sein wird. Dies kann durch die Einwanderung aus Rußland und auch aus dem weltlichen Amerika in absehbarer Zeit erwartet werden (lt. Rav Shalom Gold). Laut Rabbi Chanin (Midrash Raba 98,9) wird der Messias, ein großer jedoch sterblicher Lehrer, alle Juden zur Einwanderung nach Israel veranlassen. G-tt wird Ihnen dann selbst erscheinen (vgl. Joel Kap. 3, u.a.) und der Messias wird den Nicht-Juden die Noachidischen Gesetze lehren.

Nicht-Juden, denen wie gesagt keine Formalreligion vorgeschrieben ist, die sich aber mit Torah beschäftigen wollen, können wohl "Noachidische Gemeinschaften" mit von ihnen festgelegten Gebets- und Lernzeiten bilden. Durch ihr Lernen von Israel können Sie sogar das Bewußtsein von solchen Juden aufrütteln, die ihren Auftrag vernachlässigt haben oder die die Gebote mechanisch und ohne jedwede Inspiration oder globale Perspektive befolgen.

Nicht-Juden sollten nicht entmutigt sein, wenn sie Juden begegnen, die keine menschliche Wärme oder Freundlichkeit zeigen. Zu viele Juden leiden noch von den Auswirkungen der Jahrhunderte langen schrecklichen Verfolgungen durch Christentum und Islam, was sie mißtrauisch gegen andere gemacht hat. Auch fehlt ihrer Erziehung dadurch oft der Blick auf ihre globale Mission.

So wie Abraham zu den Hethitern sagte: "Ich bin ein Fremder und Beisasse bei euch" (Gen 23,4), so ist der Jude immer ein Beisasse, Teil der Gesellschaft und der Zeit, jedoch in gewisser Weise auch ein Fremder, der als in G-ttes Lehre Lebender etwas distanziert von den anderen ist, um sie lehren von ihnen helfen zu können. Der moderne Mensch ist inmitten seiner technischen Errungenschaften in existenzielle Verwirrung, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit geraten. Die Torah, das jüdische Volk, und der Staat Israel können ihn davon herausholen, sobald Israel die Wege der Welt mit der Torah verbinden kann. Möge dies bald geschehen!