Tagebuch einer Traumreise
Teil 1






“Sind Sie wahnsinnig?” – so lautete der Kommentar von Bekannten, als sie hörten, dass wir auch dieses Jahr wieder nach Israel reisen würden. Die Besorgnis ist verständlich. Wer Israel nur aus den Medienberichten kennt, muss den Eindruck bekommen, dass dort überall kriegsähnliche Zustände herrschen. Wer noch nie in Israel war, kann sich nicht vorstellen, dass man sich in dem Land aufhalten kann, ohne mit den Unruhen konfrontiert zu werden. Doch man kann den Nahen Osten besuchen, wenn man sich sehr gut auskennt. Um es gleich vorwegzusagen: Nach einhelliger Meinung aller Teilnehmer war die Studienreise vom letzten November die schönste bisher. Von den Unruhen bekam man nur abends in den Fernsehnachrichten bei CNN etwas mit.

“WELCOME TO ISRAEL” lesen wir in Tel Aviv am Flughafen. Israel ist ein Touristenland. Über drei Millionen Menschen kommen in “ruhigen” Zeiten. Doch jetzt ist der Tourismus als drittgrösster Wirtschaftszweig total zusammengebrochen. Erstes Ziel ist Qumran am Toten Meer. Grosse Freude im Kibbuz: “Danke, dass ihr da seid! Danke für eure Solidarität!”, so hören wir es immer wieder. Auch unser Reiseführer Pauli war monatelang arbeitslos. Dabei können Christen in den Zeiten dieser Bedrängnis ein Zeichen setzen. Wir kommen ins Gelobte Land, weil hier unsere geistlichen Wurzeln liegen. Zum Laubhüttenfest im September waren über 4000 Christen nach Jerusalem gereist. Das Echo in der israelischen Presse war enorm und es wurde wahrgenommen, dass es die Liebe zu Jesus und zu Gott ist, die die Christen veranlasst, Israel zu besuchen.

Qumran und die Bibel
Wir haben einen phantastischen Ausblick aus unseren Bungalows. Nur wenige Meter sind es bis zum Toten Meer, neben uns das jüdische Felsengebirge mit seinen vielen Höhlen.

Höhlen von QumranHier hat ein Beduine vor über 50 Jahren die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer gefunden. Unter den fast 900 Schriftrollen befinden sich die ältesten Bibelhandschriften der Welt, darunter eine Abschrift des Prophetenbuches Jesaja aus dem 2.Jh. vor Christus. Bis zu den Höhlenfunden stammten die ältesten hebräischen Bibelhandschriften erst aus dem Mittelalter. Hier hatte man nun eine über 1000 Jahre (!) ältere Schriftrolle. Die Überraschung: Der Text stimmt in beeindruckender Weise mit dem bekannten Bibeltext überein. Fazit der Forschung: Das Alte Testament ist hervorragend überliefert!

Dr. Stephan Pfann, Direktor der University of the Holy Land und heutiger Chefarchäologe von Qumran, stösst zu unserer Gruppe und erläutert die modernen Forschungsarbeiten. So wird die DNA-Analyse benutzt, um mit Hilfe des genetischen Codes zu bestimmen, welche Fragmente (Bruchstücke) zu ein und derselben Schriftrolle gehören. Oder die Fragmente werden gescannt, um per Computer bisher unsichtbare Buchstaben wieder sichtbar zu machen. Bei einer Schriftrolle konnte man so über 900 Worte lesbar machen. Kaum eine Ausgrabung hat für so viel Wirbel gesorgt wie die antike Siedlung von Qumran. Spekulationen, dass Jesus in Qumran gelebt habe, sind haltlos. Ein Vergleich der Qumrantexte mit den Evangelien zeigt, wie völlig anders die Lehre Jesu war. Sie war neu und aufrüttelnd. Die Zeitgenossen urteilten: “Was ist das für eine neue Lehre? Noch nie haben wir jemanden so reden gehört!” (Mark. 1,27 u. Joh. 7,46).

Die Forscher identifizieren die Gemeinschaft vom Toten Meer mit der jüdischen Religionsgruppe der Essener, einer besonders strengen jüdischen Religionsgruppe. Jedem fallen sofort die antike Wasserleitung und die Reinheitsbecken ins Auge. Rituelle Reinheit und strengste Auslegung der göttlichen Gebote prägten die Qumrangemeinschaft. Es war verboten, am Sabbat irgendetwas zu tun. Einem Tier, das am Sabbat (dem jüdischen Sonntag) in einen Brunnen gefallen war, durfte nicht geholfen werden, denn: “Wenn ein Vieh am Sabbat in einen Brunnen oder eine Grube fällt, so soll man es am Sabbat nicht wieder herausholen”, so ein Qumrantext. Und einem Menschen durfte man nur ein Seil zuwerfen. Mehr nicht! Die Essener haben bestimmt gegen Jesu Feststellung gemurrt, dass “der Sabbat um des Menschen willen geschaffen sei und nicht der Mensch um des Sabbats willen” (Mark. 2,27). Der Feiertag soll geheiligt werden, aber Gutes zu tun und einem Menschen zu helfen steht dazu in keinem Widerspruch. Die befreiende Botschaft von Jesus Christus steht in einem scharfen Gegensatz zu den Lehren der Essener, die man mit Asketentum, Gesetzlichkeit und Ritualismus skizzieren könnte. Bei den Mahlzeiten der Qumranbewohner war es zum Beispiel verboten, dass Krüppel, Lahme oder Blinde daran teilnahmen. Die Evangelien dagegen sind voll von Berichten, die schildern, wie Jesus gerade zu den Kranken und Ausgestossenen der Gesellschaft geht (Luk. 5,27–37). Das war undenkbar für die so auf Reinheit bedachten Leute von Qumran, sogar ihr Speisesaal hatte einen Wasserzufluss zur Reinigung. Sie legten auf Reinheit bis in die letzten Ecken Wert, doch Jesus macht deutlich, dass Gott ins Herz sieht.
 
 

Licht ins Dunkel
 

Neues Licht auf die Evangelien

Für die Erforschung des Neuen Testaments sind die Qumrantexte bedeutsam. In Matth. 5,43 sagt Jesus: “Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.” In 3. Mose 19,18 heisst es: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.” Ein Gebot des Feindeshasses aber gibt es weder im Alten Testament noch in der jüdischen Traditionsliteratur. Worauf nimmt Jesus hier also Bezug? Ist diese Passage vom Evangelisten Matthäus vielleicht nur erdichtet worden? Wer vertrat so eine Ansicht? Die Qumrantexte geben darüber Aufschluss und zeigen, dass diese Worte Jesu absolut authentisch überliefert worden sind.

In der sog. “Gemeinderegel”, die das Leben der Essener untereinander genau regulierte, findet sich die Aufforderung zum Feindeshass gleich mehrmals. Die Essener werden darin aufgefordert: “... alle Söhne des Lichtes zu lieben, ... aber alle Söhne der Finsternis zu hassen.” Als Söhne des Lichtes verstanden sich die Essener selber. Alle, die nicht zu ihnen gehörten, wurden zu den Söhnen der Finsternis gerechnet. Diese Forderung der Essener nach dem Feindeshass war also allgemein in Israel bekannt, stellten sie doch mit 4000 Mitgliedern die zweitgrösste Religionspartei dar, neben den Pharisäern mit 6000 Mitgliedern. Gegen dieses Gebot des Feindeshasses wendet sich Jesus vehement! Durch die Qumrantexte sind uns die Zeitgenossen Jesu entgegengetreten, die er in der Bergpredigt direkt angesprochen hat. So gesehen sind die Schriftfunde vom Toten Meer ein wahrer Glücksfall. Sie zeigen nämlich, dass die Berichte in den Evangelien und in der Apostelgeschichte einem jüdischen Hintergrund entstammen und historisch korrekt überliefert sind.

Am Ende des Tages waren wir davon beeindruckt, wie die Qumranfunde helfen können, den Glauben an Jesus und seine – in der Tat – radikale Botschaft besser zu verstehen. Noch beeindruckender aber war zu sehen, wie Dr. Pfann als Wissenschaftler seinen Glauben als entschiedener Christ lebt und seine archäologischen Arbeiten den Glauben stärken.

Das Zelt Gottes in der Wüste
Gleich neben Qumran ist eine weitere Attraktion zu sehen, ein detailgetreuer Nachbau der Stiftshütte. Evangelikale Christen aus den USA haben diesen Nachbau angefertigt. Bis ins kleinste Detail waren die Vorschriften für den Opferdienst. Das Blut der Tiere erinnerte das Volk Gottes immer wieder an die Sündhaftigkeit des Menschen und daran, dass man sich Gott nicht ohne Vergebung nahen kann. Doch das Opfer der Tiere konnte keine Sündenvergebung bringen. Dies kann nur Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus trug als Lamm Gottes die Sünden der ganzen Welt (Joh. 1,29). Darum können wir Frieden mit Gott haben, wenn wir uns IHM ausliefern, denn “wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben” (Joh. 1,12).

Paradies für Nichtschwimmer
Im Toten MeerNatürlich darf ein Bad im Toten Meer nicht fehlen. Hier schwimmt jeder obenauf, ein Riesenspass. Das Tote Meer bekommt sein Wasser aus dem Jordan, ebenso wie der See Genezareth. Der See Genezareth ist voller Fische und hier, ca. 100 km südlich, finden wir nur eine leblose Brühe vor, da das Tote Meer keinen Abfluss, nur einen Zufluss hat. Der See Genezareth nimmt auch das Jordanwasser auf, aber im Gegensatz zum Toten Meer gibt er das Wasser auch weiter in den Jordan. Mit seinen 76 km Länge und 18 km Breite ist das Tote Meer etwa so gross wie der Genfersee. Jährlich verdunsten sechs Millionen Liter Wasser. Da das mineralreiche Wasser nicht abfliessen kann, muss es in der Gluthitze verdunsten, so entsteht die hohe Salzkonzentration (27 %).

Das Tote Meer kann uns als Gleichnis für den Glauben dienen. Wer nur die Botschaft Jesu annimmt und für sich behält, gleicht dem Toten Meer. Der Glaube wird selbstgenügsam und erschlafft. Glaube bleibt nur frisch, wenn er weitergegeben wird. Christen sind eine missionarische Existenz. Wer schweigt, verliert selbst den Atem. Nur Glaube, der weitergibt, ist ein lebendiger Glaube. Unser Zeugnis ist kein Geplänkel um Meinungen und Richtigkeiten. Jesus hat gesagt: “Mir ist gegeben alle Gewalt ... Darum gehet hin und missioniert und evangelisiert” (nach Matth. 28,18f). Wir bauen auf die Zusage Gottes, dass kein Wort leer zurückkommt (Jes. 55,11). Vertrauen wir dieser Verheissung in Familie und Beruf?

Der Nahostkonflikt
Fast jeder hat sich für die ethos-Reise entschieden, da er hofft, Antworten auf Fragen des christlichen Glaubens zu finden. Sind die Berichte der Bibel historisch glaubwürdig überliefert? Wie ist die Botschaft Jesu zu verstehen? Die Fragen sind Mittelpunkt unserer Andachten und Führungen. Spannend verläuft auch am zweiten Abend die Diskussion am Lagerfeuer mit Pauli, dem netten israelischen Reiseleiter, sowie einer Kibbuzmitarbeiterin über den Nahostkonflikt. Der Kibbuz liegt nur wenige Kilometer von Jericho entfernt (palästinensische Autonomiebehörde). Bis zum Ausbruch der neuen Intifada (wörtlich: “Abschüttelung”) haben viele Palästinenser im Kibbuz gearbeitet, seit den Unruhen nicht mehr. In den Medien wird der Besuch Sharons auf dem Tempelberg als auslösendes Moment der blutigen Kämpfe beurteilt. Doch die Unruhen sind von langer Hand seitens der Palästinenser geplant gewesen. Beweis: In Jericho ist ein österreichisches Konsortium am Bau des Spielcasinos beteiligt. Die Österreicher wohnten im Kibbuz und arbeiteten in Jericho. Drei Wochen vor Ausbruch der Unruhen erging an sie die Aufforderung der Palästinenser, das Gebiet sofort zu verlassen. Der Kibbuz schöpfte Verdacht und informierte die israelische Regierung. Es lag etwas in der Luft. Doch wann und wo die neuen Unruhen ausbrechen würden, war unklar. Der Besuch Sharons auf dem Tempelberg war nicht Ursache, sondern willkommener Anlass für den palästinensischen Terror gegen die Israelis.

Die Felsenfestung Masada
So erstürmt man heute MasadaBesonderer Höhepunkt der Reise: die Felsenfestung Masada. Hier hatten 967 jüdische Frauen, Männer und Kinder der 10. römischen Legion getrotzt. 74 n. Chr. fiel dieses letzte Bollwerk des jüdischen Aufstandes gegen die Römer. Nur zwei Frauen und fünf Kinder hatten den Kampf überlebt. Alle anderen Verteidiger hatten den Freitod gesucht, da sie lieber “tot, als Sklaven der Römer” sein wollten. Auf der Ostseite kann man mit einer Seilbahn in wenigen Minuten den Höhenunterschied von 305 m überwinden. Beeindruckend ist die Wasserversorgung, die Herodes der Grosse (37–4 v. Chr.) hier anlegen liess. Die mit Kalk verputzten 12 Wasserzisternen konnten 4000 m3 fassen. Damit war Masada auf Jahre mit Wasser versorgt. 70n. Chr. hatten die Zeloten (jüdische Aufstandsbewegung) Masada in ihre Gewalt gebracht. Das Wasserversorgungssystem funktionierte noch. Für die Römer (ca. 15000 Mann belagerten Masada!) war die Wasserversorgung hingegen ein echtes Problem. Jüdische Gefangene und Packesel mussten durch unwegsames Gelände das kostbare Wasser von den En-Gedi-Quellen herbeischaffen (15 km nördlich). MasadaDie Felsenfestung war uneinnehmbar, denn nur der sog. Schlangenpfad, ein 600m langer, sich wie eine Schlange windender Serpentinenpfad, führte zum Felsplateau hinauf. Der Weg war so schmal, dass einige wenige Verteidiger den Zugang blockieren konnten. Die Römer kamen nicht voran und entschlossen sich daher zum Bau einer gigantischen Erdrampe. Tausende jüdische Gefangene wurden zu diesem Bau gezwungen. Noch heute kann man bei dem 60 m hohen und 185 m langen Steindamm deutlich die Holzkonstruktionen sehen, zum Unterbau der Rampe. Das Holz stammt von Bäumen aus der Region, einschliesslich Palmen. Direkt am Beginn der Rampe stehen noch Nachbauten der römischen Belagerungsmaschinen, die für eine Hollywoodverfilmung hierhergebracht worden waren. Die Filmrequisiten bleiben nach Abschluss der Dreharbeiten vor Ort als Dank der Amerikaner für die Verfilmung “Masada”.

Durch den Sinai zum Katharinenkloster
Weiter geht es von Masada in den Süden nach Eilat und dann über die Grenze nach Ägypten. Die Gebirgswüste des Sinai mit seinen zerklüfteten Bergen und Palmoasen ist von wilder Schönheit. Wir erleben auf der Fahrt rotglühende Sandstein-Canyons, breite Wadis und im Hochgebirge die imposanten Granitberge. Dann gelangen wir in das Herz des Sinai, zu dem von Granitbergen umringten Katharinenkloster, das in einem Talkessel liegt.

Das Katharinen-Kloster
Hier soll Gott Mose im brennenden Dornbusch erschienen sein. Schon seit Jahrtausenden wird dieser Ort von Mönchen verehrt. 530 n. Chr. wurde auf Befehl des byzantinischen Kaisers Justinian eine schützende Befestigung errichtet. Heute gleicht das Katharinenkloster mit seinen 15 m hohen Granitmauern von weitem eher einer Festung. Doch das Kloster war immer bedroht. Zwei Dinge sicherten diesem das Überleben. Mohammed soll im Kloster einmal zuvorkommend aufgenommen worden sein und hatte einen Schutzbrief hinterlassen, an denen sich spätere islamische Herrscher gebunden fühlten. Heute ist sich die Wissenschaft sicher, dass der Schutzbrief eine gekonnte Fälschung ist. Der zweite Umstand ist eine Moschee im Kloster, die die Mönche im 9. Jh. vor herannahenden islamischen Kriegern neben der Klosterkirche errichtet hatten. Im Koran heisst es, dass ein Ort mit einer Moschee nicht zerstört werden dürfe. So überlebte das Kloster all die Jahrtausende. 1844 entdeckte Konstantin von Tischendorf (1815–1874) in einem Papierkorb der Klosterbibliothek Blätter einer griechischen Bibel von 350 n. Chr. mit Teilen des Alten Testaments. Tischendorf kehrte zweimal in das Kloster zurück und konnte 1859 auch noch das gesamte Neue Testament von dieser Bibelhandschrift ans Tageslicht befördern. Diese Bibel sollte ein Meilenstein in der Textforschung des Neuen Testaments werden. Der sog. Codex Sinaiticus ist eine der wichtigsten Handschriften, die heute dem griechischen Urtext des Neuen Testaments zugrunde liegt, ein wichtiger Beleg für die gute Überlieferung des Neuen Testamentes. Die Entdeckung hat eine Fortsetzung in unseren Tagen. 1975 hatte man nach einem Brand einen zugemauerten Raum gefunden. Der Inhalt ergab 47 Kisten voller Pergamente und alter Bücher. Die Sensation: darunter 12 Blätter aus dem Codex Sinaiticus von 350 n. Chr.

Ein unvergesslicher Aufstieg
AufstiegUm drei Uhr früh des nächsten Tages beginnt der Aufstieg auf den Mosesberg (Berg Horeb), wo Mose die Zehn Gebote bekommen haben soll. Per Kamel kann man 2/3 des Weges zurücklegen. Dieser nächtliche Aufstieg wird in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Das Kloster im fahlen Mondlicht, die unzählbare Sternenschar über uns und dazwischen eine Sternschnuppe, dann ein Satellit – alles ganz nahe. Zielsicher finden die Kamele in der Dunkelheit ihren Weg den Berg hinauf. Beim Anblick der Kamele, wie sie langsam durch die Nacht den Berg hochschreiten – der Weg nur erleuchtet durch die Mondsichel – fühle ich mich zurückversetzt in biblische Zeiten und denke an die Weisen aus dem Morgenlande, die die beschwerliche Reise nach Bethlehem unternahmen – ein unbeschreiblicher Moment, den keine Fotokamera festzuhalten vermag. Ich bin noch ganz in Gedanken versunken, da klingelt plötzlich ein Handy und ich werde aus den biblischen Zeiten in die Gegenwart zurückversetzt. Selbst bei den Beduinen hat das moderne Zeitalter Einzug gehalten!

Die Touristenflaute macht sich auch auf dem Gipfel bemerkbar. Hier herrscht sonst ein grosser Andrang von 500 und mehr Besuchern. Jetzt sind es nur ungefähr hundert und jeder versucht, einen guten Platz zu ergattern, denn in wenigen Minuten taucht die aufgehende Sonne das ganze Sinaimassiv in ein rötliches Licht. Ein Naturschauspiel, das nur wenige Augenblicke dauert. Auch wenn man sich nicht sicher sein kann, ob genau hier Mose die Nähe Gottes geschaut hat, so ist dieser Ort einmalig und bei unserer nächsten ethos-Reise (Nov. 2002) wird natürlich ein Aufstieg nicht im Programm fehlen.

Der Abstieg im Sonnenlicht geht wesentlich schneller und immer wieder schweift der Blick zurück zum Mosesberg. Um acht Uhr sind wir wieder beim Kloster angekommen. Trug man beim Aufstieg noch eine dicke Jacke, so reicht jetzt ein leichtes Sweatshirt. Der Temperaturunterschied zwischen Nacht und Tag ist enorm. Nach einem guten Frühstück fahren wir zum zweiten Mal zum Kloster, denn unsere Gruppe hat ein besonderes Privileg. Sie darf die berühmte Klosterbibliothek besichtigen.

Im 2. Teil des Reisetagebuches berichten wir Petra, die geheimnisvolle Stadt der Nabatäer, Jerusalem und ...

Demnächst hier!

Zurück zu Informationen